1. Zuerst den Entscheidungsbescheid und die Ablehnungsgründe prüfen
Wird ein Visitor Visa abgelehnt, erhalten Online-Antragstellende die Entscheidung in ihrem IRCC-Konto, zusammen mit den Gründen für die Ablehnung. Der erste Schritt besteht darin, die Ablehnungsgründe genau zu lesen und festzuhalten, welche Angaben und Nachweise im Antrag nicht ausreichend waren.
Wenn Sie die Entscheidung und den Bearbeitungsstand erneut über die offiziellen Wege prüfen möchten, lesen Sie den Hinweis unter Kanada-Visum: Status abfragen.
2. Nicht sofort mit denselben Unterlagen erneut beantragen
IRCC weist darauf hin, dass eine erneute Antragstellung mit denselben Informationen nach einer Ablehnung des Visitor Visa kaum zu einer anderen Entscheidung führt. Allein den Antrag noch einmal einzureichen oder eine neue Vertretung zu beauftragen, erhöht die Aussicht auf eine Genehmigung nicht automatisch.
3. Prüfen, was sich geändert hat und welche neuen Unterlagen vorliegen
- Lässt sich der Reisezweck konkreter darlegen oder hat sich die tatsächliche Situation geändert?
- Haben sich Beruf, Geschäftstätigkeit, finanzielle Verhältnisse oder andere Bindungen im Heimatland verändert?
- Gibt es neue Dokumente, die die bisherigen Ablehnungsgründe unmittelbar ausräumen?
- Sind frühere Einreisehindernisse aus strafrechtlichen, medizinischen oder einwanderungsrechtlichen Gründen inzwischen ausgeräumt?
- Lassen sich Widersprüche, Fehler oder Lücken im Antrag objektiv berichtigen?
Wie es nach der Nachbesserung weitergeht, erfahren Sie unter Kanada-Visum: Antragstellung.
Häufige Knackpunkte bei der Prüfung eines Visitor Visa
Wer ein Visitor Visa beantragt, muss die zuständige Person davon überzeugen, dass er Kanada nach Ablauf des Aufenthalts wieder verlässt, die Kosten des Aufenthalts tragen kann und Bindungen an das Heimatland – Beruf, Wohnsitz, Vermögen, Familie – nachweisen kann, die eine Rückkehr erwarten lassen. Erklärungen, die sich auf einen einzelnen Faktor stützen, etwa „ein hoher Kontostand genügt“ oder „eine Einladung reicht aus“, sollten deshalb vermieden werden.
Was zu prüfen ist, wenn eine eTA zusätzlich geprüft oder abgelehnt wird
eTA-Anträge werden weitgehend automatisiert bearbeitet, je nach den Antworten im Antrag können jedoch zusätzliche Dokumente oder eine manuelle Prüfung erforderlich sein. Bei strafrechtlichen oder einwanderungsrechtlichen Vorgeschichten, fehlerhaften Passangaben oder widersprüchlichen Antworten im Antrag sollten Sie vor einer einfachen Neubeantragung die offizielle Aufforderung und den tatsächlichen Sachverhalt genau prüfen.
Wenn Sie erneut klären möchten, ob Sie eine eTA oder ein Visitor Visa benötigen, lesen Sie Kanada-Visumarten und Unterschied zur eTA.
Neuantrag und judicial review verfolgen unterschiedliche Ziele
Ein Neuantrag bedeutet, auf Grundlage neuer Tatsachen, veränderter Umstände oder ergänzender Unterlagen einen neuen Antrag zu stellen. Die judicial review ist dagegen keine einfache „Berufung“, mit der man ein Gericht um die Genehmigung eines neuen Antrags bittet, sondern ein Verfahren, in dem der Federal Court die Rechtmäßigkeit, Fairness und Nachvollziehbarkeit des Entscheidungsprozesses überprüft.
| Kriterium | Neuantrag | Federal Court judicial review |
|---|---|---|
| Charakter | Verfahren, bei dem ein neuer Antrag eingereicht wird | Verfahren, in dem der Federal Court den Entscheidungsprozess überprüft |
| Prüfungsgegenstand | Neue Tatsachen, veränderte Umstände, ergänzende Unterlagen | Rechtmäßigkeit, Fairness und Nachvollziehbarkeit des Entscheidungsprozesses |
| Voraussetzung | Unterlagen, die die bisherigen Ablehnungsgründe tatsächlich ausräumen | Zunächst muss leave (Zulassung) erteilt werden |
| Frist | Keine eigene Klagefrist | Die Frist nach Zustellung kann kurz sein |
Neuantrag
Wenn Unterlagen vorliegen, die die bisherigen Ablehnungsgründe tatsächlich ausräumen, kann ein neuer Antrag geprüft werden. Vor der Antragstellung sollten Sie schriftlich klar darlegen können, „was sich geändert hat“.
Federal Court judicial review
IRCC weist darauf hin, dass Sie beim Federal Court of Canada eine judicial review beantragen können, wenn Sie das Antragsverfahren für unfair halten. Nach den Hinweisen des Federal Court setzt die judicial review einer einwanderungsrechtlichen Entscheidung zunächst die Erteilung von leave (Zulassung) voraus, und die Frist nach Zustellung kann kurz sein. Für Sachverhalte, die außerhalb Kanadas entschieden wurden, wird in der Regel eine Frist von 60 Tagen nach Zustellung oder Kenntnisnahme genannt. Wenn eine rechtliche Prüfung erforderlich ist, sollten Sie deshalb unverzüglich eine kanadische Anwältin, einen kanadischen Anwalt oder andere qualifizierte Fachleute konsultieren.
| Ort der Entscheidung | Mögliche Klagefrist |
|---|---|
| Innerhalb Kanadas | In der Regel 15 Tage |
| Außerhalb Kanadas | In der Regel 60 Tage |
Der genaue Fristbeginn und mögliche Ausnahmen können je nach Fall unterschiedlich sein; klären Sie dies deshalb umgehend mit einer Rechtsexpertin oder einem Rechtsexperten.
Wann eine fachliche Prüfung erforderlich ist
- Wenn eine Vorgeschichte mit Straftaten oder inadmissibility (Einreiseunzulässigkeit) besteht
- Wenn der Verdacht auf misrepresentation (Falschangaben) im Raum steht
- Wenn bereits mehrfach abgelehnt wurde
- Wenn der Sachverhalt ausreichend belegt ist, Sie aber Verfahrensfehler oder Rechtsfehler vermuten
- Wenn die Klagefrist für eine judicial review kritisch wird
- Wenn Sie eine kostenpflichtige Vertretung oder Einwanderungsberatung benötigen: prüfen Sie, ob es sich um einen authorized representative handelt
FAQ
Kann ich gegen eine Ablehnung des Kanada-Visums Berufung einlegen?
Bei einer Ablehnung des Visitor Visa gibt es kein automatisches Berufungsverfahren im üblichen Sinne. IRCC weist darauf hin, dass Sie bei veränderten Umständen und neuen Unterlagen einen Neuantrag prüfen können und beim Federal Court eine judicial review beantragen können, wenn Sie das Verfahren für unfair halten.
Darf ich mit denselben Unterlagen erneut beantragen?
IRCC stellt ausdrücklich klar, dass eine erneute Antragstellung mit denselben Informationen die frühere Entscheidung kaum ändert. Prüfen Sie zuerst, ob es neue Tatsachen oder Dokumente gibt, die die Ablehnungsgründe unmittelbar ausräumen.
Wird der zweite Antrag mit einer Vertretung eher genehmigt?
IRCC weist darauf hin, dass die Beauftragung einer Vertretung weder die Aussicht auf eine Genehmigung erhöht noch die frühere Entscheidung ändert.
Bis wann muss eine judicial review beantragt werden?
Nach den Hinweisen des Federal Court kann in Einwanderungssachen eine Frist von in der Regel 15 Tagen gelten, wenn die Entscheidung innerhalb Kanadas ergangen ist, und von 60 Tagen, wenn sie außerhalb Kanadas ergangen ist. Den genauen Fristbeginn und mögliche Ausnahmen sollten Sie umgehend mit einer Rechtsexpertin oder einem Rechtsexperten klären.
Kann ich nach einer Ablehnung der eTA einfach ein Visitor Visa beantragen?
Das hängt von der Staatsangehörigkeit und vom Ablehnungsgrund ab. Schließen Sie nicht allein aus der Ablehnung der eTA, dass ein Visitor Visa automatisch die richtige Lösung ist, sondern klären Sie zuerst, welches Reisedokument für Sie zulässig ist und woran die Ablehnung lag.
Das Canada Visa Application Centre (CanadaVisaApply) ist kein offizielles Angebot der kanadischen Regierung oder von IRCC, sondern ein unabhängiger privater Informations- und Antragsunterstützungsdienst. Die eTA kann direkt auf der offiziellen Website der kanadischen Regierung beantragt werden; die staatliche eTA-Gebühr beträgt derzeit CAN$7. Die staatliche Gebühr für das Visitor Visa beginnt derzeit bei CAN$100 pro Person, hinzu kommen bei Bedarf weitere Kosten wie die Gebühr für biometrics.
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